Exkursion der 10. Klassen nach Strasbourg

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Am 20. Januar 2026 reisten wir, alle 10. Klassen, für einen Tag nach Strasbourg, um dort das Europaparlament zu besuchen. Dafür trafen wir uns früh am Morgen am Werderplatz und traten in Bussen die Reise nach Strasbourg an.

Dort angekommen, durften wir erst einmal in Kleingruppen die wunderschöne Strasbourger Innenstadt mit Sehenswürdigkeiten wie dem berühmten Strasbourger Münster besichtigen. Danach ging es zum Parlament. Wegen Bauernprotesten gegen das Mercosur-Abkommen konnte unser Bus nicht ganz an das eindrucksvolle Gebäude heranfahren und wir mussten ein Stückchen laufen. Bereits aus der Ferne konnte man die Stimmen der Demonstranten und hin und wieder einen Knall hören. Unabhängig vom umstrittenen Ziel der Proteste war es natürlich spannend, einen solchen, bereits leicht aggressiven Protest aus sicherer Entfernung außerhalb des Fernsehens mitzuerleben. Es flogen sogar ein paar Flaschen und es wurden Feuerwerkskörper geschleudert! Leider hat uns die mit Schutzschilden, Schutzwesten, Helmen und schweren Waffen ausgerüstete Polizei dann weggeschickt.
Das Parlamentsgebäude wirkt übrigens gerade aus der Ferne sehr beeindruckend, ist allerdings fast schon zu wuchtig. Die glaslastige Architektur war zwar modern, als das Gebäude gebaut wurde, ist aber nur bedingt gut gealtert. Wer will, kann sich anhand des Bilds zum Artikel eine eigene Meinung bilden.

Als wir es nach umfangreichen Sicherheitskontrollen ins EU-Parlament geschafft hatten, bekamen wir eine sehr informative Führung durch das Gebäude durch einen Mitarbeiter der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung. Dabei erhielten wir viele Informationen über die Geschichte der EU und des Gebäudes. Interessant fand ich beispielsweise, dass ein Teil der Außenfassade nicht ganz fertiggestellt ist, was symbolisiert, dass auch die EU nicht ganz fertiggestellt ist, sondern weitere Länder aufnehmen will. Dafür ist es aber ziemlich schwer, Mitglied der EU zu werden. Ein Land muss oft über ein Jahrzehnt warten, bis es alle Kriterien erfüllt. Etwas lustig war ein Moment, als wir uns einen Eingang mit rotem Teppich für wichtige Persönlichkeiten angeschaut haben und uns erklärt wurde, dass dieser natürlich nicht von Mitarbeitern des EU-Parlaments benutzt wird. Wenige Minuten später lief ein Mitarbeiter über den roten Teppich.

Danach hätten wir eigentlich ein Gespräch mit dem SPD-Abgeordneten René Repasi haben sollen, dieses wurde jedoch spontan abgesagt, was wir alle etwas unhöflich fanden. Bei unserer Berlinfahrt hatten wir bereits ein sehr interessantes Gespräch mit der Vorsitzenden der Grünen Franziska Brandtner. Gerne hätte wir nun einem Europaabgeordneten Fragen nicht nur zur Arbeit im EU-Parlament, sondern auch zur Rolle der EU in einer durch Trump und Putin veränderten Welt gestellt. Daher war die Enttäuschung, als das Gespräch abgesagt wurde. Dafür konnten wir einige Minuten mit seinem Büroleiter sprechen und ihm ein oder zwei Fragen stellen. Im Anschluss daran hatten wir Gelegenheit, eine halbe Stunde lang der Parlamentsdebatte zu folgen. Diese war etwas anders, als man es sich vielleicht vorstellt, da nur sehr wenige mit dem Thema befasste Abgeordnete anwesend waren. Trotzdem fand ich die „parlamentarische Stimmung“ durchaus greifbar. Immerhin waren wir im Herzen der Institution, die viele Entscheidungen trifft, die unser aller Leben stark beeinflussen. In der aktuellen Debatte ging es gerade um einen Antrag des Rates, durch den Airlines zum Benutzen von Biodiesel verpflichtet werden sollten, wofür aber einige Fluggastrechte eingeschränkt worden wären, um die Unkosten zu decken. Als wir da waren, haben gerade Abgeordnete aller Parteien erklärt, warum sie dagegen sind. Auch wenn es daher keine echte Debatte gab, da ja alle Abgeordneten derselben Meinung waren, was eigentlich nur dann der Fall ist, wenn sie sich gegen die Kommission oder den Rat durchsetzen wollen, und ihnen niemand aus dem Rat widersprochen hat, war es sehr spannend, die Reden zu verfolgen. Man hört ja immer wieder davon, dass die Umgangsformen in den Parlamenten rauer werden, wir konnten das ganz praktisch miterleben, als ein Abgeordneter einer rechtsextremen Partei der Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sowohl ihre demokratische Legitimation als auch ihre Kompetenz absprach. Es handelte sich also um falsche und beleidigende Äußerungen. Gegen diese Äußerungen gab es dann auch gleich Protest.

Danach war diese Exkursion auch schon beendet und wir traten die Heimreise an.

Das war allerdings etwas komplizierter als gedacht, da unser Bus, auch nachdem wir ihm unseren Standorten geschickt hatten, zweimal an die falsche Stelle fuhr, um uns abzuholen und uns in der Kälte stehen ließ. Aber wir sind angekommen.

Es war ein sehr interessanter und lehrreicher Ausflug!

 

Vielen Dank an Herrn Dietrich, Herrn Müller, Herrn Stubenvoll und Herrn Dolmetsch, die diesen Ausflug organisiert und begleitet haben!

Text und Fotos: Jakob Schächtelin (10b)