Am 17. und 18. März 2026 nahmen insgesamt zehn Schülerinnen und Schüler der St. Raphael Schulen an einer zweitägigen Streitschlichterausbildung des Schülerreferats Mannheim unter der Leitung des Diplom-Psychologen Joschi Kratzer und seiner Nachfolgerin Helen Pracht teil. Frau Huonker und Herr Palumbo begleiteten die Lerngruppe nach Mannheim und betreuten sie während der Ausbildung vor Ort. Ziel der Ausbildung war es, die wesentlichen Grundlagen der Streitschlichtung kennenzulernen und zu erlernen, wie diese später als ausgebildete Streitschlichterinnen und Streitschlichter bei Streitschlichtungsgesprächen an unserer Schule angewendet werden können.
Am ersten Ausbildungstag lernten wir zunächst die theoretischen Grundlagen der Streitschlichtung kennen. Dazu gehörten u.a. verschiedene Formen und Situationen von Gewalt, die Aufgaben von Streitschlichterinnen und Streitschlichtern sowie die Prinzipien der Streitschlichtung.
Mithilfe eines zuvor erarbeiteten Leitfadens für ein Streitschlichtungsgespräch übten wir am zweiten Ausbildungstag, wie ein solches Gespräch geführt wird. Dazu überlegten wir fiktive Szenarien, wie sie im Schulalltag häufig vorkommen. Jeweils zwei Teilnehmende stellten einen Streit nach, während zwei weitere die Rolle der Streitschlichterinnen bzw. Streitschlichter übernahmen und versuchten, den Konflikt zu lösen. So konnten wir das Gelernte direkt praktisch anwenden.
Alle Teilnehmenden erhielten ein Zertifikat für ihre erfolgreiche Teilnahme.
Mein persönlicher Eindruck dieser beiden Tage lautet wie folgt:
Die beiden Ausbildungstage haben mir sehr gut gefallen und ich empfehle diese
Ausbildung weiter. Diese Ausbildung war für mich sehr lehrreich und abwechslungsreich.
Wir lernten nicht nur, wie man Streit in der Schule schlichten kann, sondern auch, wie wir
Streit im Alltag lösen können. Außerdem erfuhren wir viel über die Ursachen von Streit
und darüber, wie Konflikte überhaupt entstehen können.
Interview mit Diplom-Psychologe Joschi Kratzer, durchgeführt von Rehaan Mishra:
- Warum haben Sie sich entschieden, Streitlichter-Trainer zu werden?
Eigentlich war das damals gar keine bewusste Entscheidung von mir. Ich wurde von einer
Lehrerin angesprochen, ob ich bereit wäre, ihr bei ihrer Schule beim Aufbau eines Streitschlichtungssystems zu helfen. Nach kurzer Überlegung habe ich zugesagt, ein entsprechendes Konzept entwickelt und so an der ersten Schule mit der Ausbildung der StreitschlichterInnen begonnen. Das ist jetzt mehr als 25 Jahre her. In der Zwischenzeit habe ich 1297 StreitschlichterInnen an insgesamt 28 Schulen ausgebildet.
- Was ist Ihrer Meinung nach das Wichtigste, das Schülerinnen und Schüler über
Konflikte lernen sollten?
Ich denke, Konflikte sind etwas völlig Normales, ja für das menschliche Leben Notwendiges. Damit Konflikte nicht in Gewalt und Zerstörung enden – ganz nach dem Konzept, der Stärkere setzt sich durch – müssen wir Möglichkeiten lernen, den Konflikt zu erkennen, ihn zu bewerten und ihn schließlich friedlich, das heißt ohne Anwendung von Gewalt, zu lösen. Dabei ist es wichtig, dass der Konflikt immer in fairer Absprache mit der anderen Person gelöst wird.
- Haben Sie Tipps für Schülerinnen und Schüler, wie man Streit besser lösen
kann?
Zuerst den Streit als solches wahrnehmen und einschätzen, was für Konsequenzen der Streit für mich und andere hat.
- Was ist passiert?
- Wie geht es mir dabei?
- Um was geht es (mir) wirklich?
- Wie sieht das die andere Person?
- Kann ich nachvollziehen, wie es ihr geht?
- Was für Ideen habe ich, wie der Streit gelöst werden könnte?
- Welche Lösung ist für beide Parteien akzeptabel und gewinnbringend?
- Wie können wir uns einigen?
Ganz wichtig ist die Ehrlichkeit und der Wille zur Versöhnung von beiden Seiten. Meiner Erfahrung nach ist es fast immer hilfreich, sich Unterstützung und Beratung von andern zu holen (und dabei meine ich Vermittler und nicht Rechtsanwälte).
- Was macht Ihnen an Ihrer Arbeit mit Jugendlichen am meisten Spaß?
Schwierige Frage, da gibt es vieles. Ich glaube, am meisten macht es mir Spaß, wenn ich das Gefühl habe, dass ich ein wenig
dazu beitragen kann, dass junge Menschen für ihr Leben und für die Welt Verantwortung
übernehmen. Da bei spielt es keine Rolle, ob sie das als StreitschlichterInnen, als
KlassenmentorInnen, als Mitglieder einer Klasse oder als Person tun.
Text: Rehaan Mishra (7a)
Fotos: Larissa Huonker


