„Das Leben will gezeichnet werden“

26 02 03 Kunstausstellung Katherina Pistorius (4)

Passend zum Halbjahreswechsel (und damit zum Wechsel von Musik zu BK) besuchte die Klasse 10c am 03.02.2026 die Ausstellung „Das Leben will gezeichnet werden“ im Haus Cajeth Heidelberg. Es handelte sich bei dem Besuch um ein spontanes Ereignis, von dem wir erst eine Woche zuvor erfuhren, uns jedoch einen weiteren Grund gab, uns aufden Dienstag zu freuen. Unsere erste BK-Stunde sollte uns nun also einen direktenEindruck von unserer nächsten, dementsprechend vom Inhalt der Ausstellung inspirierten, Lerneinheit („Flucht und Bewegung“) geben.

Am Dienstag war es dann so weit: Nach der 4. Stunde trafen sich die Klasse 10c, unsere Kunstlehrerin Frau Pistorius sowie unser Klassenlehrer Herr Müller wie vereinbart im Eingangsbereich des Kunstgebäudes. Uns wurde leider durch starken, anhaltenden Regen der Weg in die Altstadt erschwert, was aber der gesamten Veranstaltung keinen Abbruch tat, da schnell ein Kompromiss gefunden war (Bahn- und Fahrradfahrer). Gegen kurz nach zwölf Uhr mittags fanden dann alle bei der Alten Brücke wieder zusammen und machten sich kurzerhand auf in Richtung Haus Cajeth. Das von außen zwar bescheiden wirkende und unscheinbare, aber doch detailverliebte undkünstlerisch bedacht gestaltete Haus Cajeth, offenbarte sich uns im Inneren als kleiner künstlerischer Juwel. Wir liefen eine schwere alte, von Gemälden gesäumte Treppe entlang hoch zum Eingang der Ausstellung, wo wir direkt von der Museumsführerin empfangen wurden. Unsere Rucksäcke und Jacken konnten wir an eine Garderobe hängen, waren jedoch dazu gebeten, einen Stift und Papier für eventuelle Notizen zur Ausstellung mitzubringen. Wir verweilten eine Weile im ersten Raum der Ausstellungund begutachteten einige der ausgestellten Werke, bis dazu aufgerufen wurden, uns zu versammeln, um der Führung lauschen zu können. Die Museumsführerin stellte sich vor und begann zunächst über die Ausstellung und den Künstler, Mehrdad Zaeri, zumsprechen.

Mehrdad Zaeri (geb. 1970 in Isfahan, Iran) ist ein deutsch-iranischer Illustrator und Künstler. Bis zu seinem 14. Lebensjahr lebte er mit seiner Familie im Iran, musste jedoch 1985 mit seiner Familie aufgrund der politischen Situation vor Ort fliehen, zuerst nach Ost-, dann nach Westdeutschland und erreichte schließlich Heidelberg. Von klein auf war Zaeri ein begeisterter Künstler und machte seine Leidenschaft schließlich zu seinem Beruf. Wiederkehrende Motive seines künstlerischen Daseins sind Themen wiemFlucht, Verfolgung, Solidarität und Freiheit, wobei sein Kunstverständnis auf die Kommunikation mit dem Menschen ausgerichtet ist. Nach dieser informativen Vorbesprechung zur Ausstellung erhielten wir von Frau Pistorius Aufgabenblätter zur Bildbetrachtung, welche wir während unseren eigenständigen Erkundungstouren ausfüllen sollten. Die Gemälde zeigten eine faszinierende, inhaltliche sowie künstlerische Vielfalt und Fülle auf: So waren beispielsweise einzelne oder Reihen von Bildern, welche eine Geschichte erzählen sollten, oder Teil einer solchen waren, als auch einfach nur für sich selbst sprechende Unikate, vorhanden. Darüber hinaus war aber auch das Spektrum an Themen sehr ausgeweitet: So sahen wir einerseits erschreckende und bedrängende Bildfolgen, die brennende oder bereits zerstörten Häuser, wirr umherlaufende Menschenmengen und flüchtende Familien zeigten, andererseits aber auch hell und sanft wirkende Zeichnungen, welche Hoffnung und Frieden vermittelten, ja beinahe paradiesisch schienen. Als Beispiel hierfür lassen sich Zaeris Buchillustrationen, die oft einen großen Hell-Dunkel-Kontrast aufwiesen und Mensch und Natur in einer Fantasiewelt oder in einem Traum vereinten, heranziehen. Diese Illustrationen erzählten von Rückzugsorten, an denen der Mensch seinerUmgebung zwar eigentlich ausgeliefert ist, sie aber trotzdem freudig wahrnimmt und mitihr harmoniert. Wie sich herausstellte reichte Zaeris künstlerische Weite neben den Illustrationen über viele schlichte Skizzen, abstrakte Gemälde, Collagen oder Wandmalereien. Uns wurde erklärt, dass Mehrdad Zaeri zusammen mit seiner Frau das Streetart-Duo Sourati gründete, dessen Murals heute in vielen deutschen Großstädten zu sehen sind. Uns fiel auf, dass die Wandmalereien, anders als in der Streetart üblich,nicht auffällig und bunt, sondern eher zurückhaltend und poetisch waren.

Eine Besonderheit der Ausstellung stellte der Büchertisch am Eingang dar: Mehrdad Zaeri arbeitete mit verschiedenen Autorinnen und Autoren zusammen, wie beispielsweiseCornelia Funke. Mit niedlichen und liebevoll angefertigten, dem Inhalt der Büchergemäßen Illustrationen begleitet er die Geschichten und den Leser auf wundersame Art,was den Charakter der Bücher und ihre Botschaft erst wirklich ausmacht. So illustrierte er beispielsweise den Roman „Krabat“ von Otfried Preußler. Auch unsere Kunstlehrerin Frau Pistorius legte uns die Büchlein sehr zu Herzen.

Am Ende der Tour war es unsere Aufgabe, nach Vorbild von Zaeri selbst, ein Selbstporträt von uns auf eine Pappschale zu zeichnen, unsere ausgefüllten

Arbeitsblätter abzugeben und die Führerin zeigte uns noch einige Unikate. Bemerkenswert hierbei war die Spontanität und Intuition, aus welcher Zaeri diese gezeichnet haben musste, da es sich hierbei um eine ganz besondere Art des Kreativwerdens handelte: Zaeri malte einzelne, völlig ungeordnet im Raum sich befindende Großbuchstaben, die er anschließend durch bewusste Linienführung zu einem gesamten, oft abstrakten, aber doch aussagehaften Bild zusammenführte. Und dann waren wir gefragt: Als Hausaufgabe sollten wir mindestens drei Bilder inspiriert von der Ausstellung zeichnen, um uns mit dem Gesehen künstlerisch auseinanderzusetzen, dabei sollten wir nach Vorbild des Künstlers vorgehen. Zum Abschluss nahmen wir ein gemeinsames Gruppenfoto auf, klatschen und dankten der Leiterin, packten unsere Sachen und machten uns auf den Weg nach Hause.

Im Nachhinein möchten wir unserer Kunstlehrerin Frau Pistorius, die auf diese Idee kam, die Planung und Vorbereitung der gesamten Veranstaltung übernahm und uns für Fragen immer offen stand, und unserem Klassenlehrer Herr Müller, der uns ebenfalls sorgsam begleitete und uns seine Deutschstunde zur Verfügung stellte, für diesen äußerst gelungenen Ausflug danken.

 

Text: Nicolas Selent (10c)

Fotos: Katherina Pistorius