Hüttenwanderung bei den Einkehrtagen

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Eine Schulgruppe und eine fünftägige Wanderung auf 3.000 Metern Höhe? Was zunächst absurd klingt, wurde für uns im Sommer im Rahmen der Einkehrtage zu einem spannenden Erlebnis.

So trafen wir uns eines Montagmorgens voller Vorfreude auf die kommende Hüttenwanderung und mit einem 10 kg schweren Rucksack auf dem Rücken um 5 Uhr in der Frühe am Bahnhof.

Etwa zehn Stunden später erreichten wir den Ausgangspunkt unserer Route im Stubaital. Die Begeisterung über das spektakuläre Bergpanorama mischte sich recht bald mit der Anstrengung des ersten Anstiegs, welcher uns mit 750 Höhenmetern freundlich willkommen hieß. Pünktlich zum Abendessen erreichten wir unsere erste Hütte, wo auch schon erste Blasen und blaue Flecken entdeckt wurden. Wegen Wassermangel auf der Hütte fiel die heiß ersehnte Dusche leider aus, was durch einen wunderschönen Sonnenuntergang jedoch wieder wett gemacht wurde. Erschöpft fielen wir alle kurz darauf in unser gemeinsames Matratzenlager.

Am nächsten Morgen starteten wir unsere Tour um 7:30 auf einem hochalpinen Pfad. Mit weniger als 500 Höhenmetern erwarteten wir eigentlich einen entspannteren Tag. Doch der Weg war ziemlich steil und wir aufgrund einer Unwetterwarnung in Eile. Da es auf unseren letzten Metern bereits zu regnen anfing, waren wir alle froh, die Hütte bereits zur Mittagszeit zu erreichen. Während wir von dort kulinarisch verwöhnt wurden, ließen sich auch wieder die Sonne und ein beeindruckender Bartgeier blicken. Frisch gestärkt nutzen wir den Nachmittag für einen Klettersteig in der Nähe der Hütte. Bei diesem hingen wir über einem beeindruckenden Abgrund und zum Glück hatte uns Herr Wilhelm vorher erklärt, dass wir erst 13 Meter in Tiefe fallen würden, bevor der Klettergurt uns auffangen würde. Doch gemeinsam meisterten wir diese Herausforderung und verbrachten daraufhin den Abend mit Kartenspielen und dem WM-Halbfinale.

Zudem beschäftigten wir uns in der Woche mit einer Lektüre, die Herr Koreck eigens für unsere Tour zusammengestellt hatte. Hierin fanden wir Texte von bekannten Theologen, die sich mit Themen wie Endlichkeit, Stille und der Beziehung zu Gott und zur Natur auseinandergesetzt hatten. Diese Denkanstöße und passende Impulsfragen begleiteten uns auf unserer Wanderung und wurden dabei noch von der überwältigenden Bergwelt untermauert.

Der dritte Tag sollte am wenigsten Höhenmeter haben und dennoch vier Stunden Gehzeit beanspruchen. Wir fanden schnell heraus, dass das an dem imaginären Wegen lag, welcher uns über diverse Geröllfelder und Felsen führte, wodurch wir nur langsam voran kamen. Dabei wurden wir von einigen Steinböcken neugierig beobachtet.

Das absolute Highlight des Tages war der Gletscher, den wir überquerten. Wer mit einer romantischen Schneekulisse gerechnet hatte, wurde allerdings enttäuscht. Denn der Gletscher dient im Winter als Skipiste und ist somit im Sommer ein Industriegebiet. Zahlreiche Bagger und Maschinen bauten eine neue Gondelbahn und präparierten das Eis, welches zum Großteil von riesigen Tüchern umhüllt war. Herr Wilhelm hatte den Gletscher vor längerer Zeit schon einmal bestiegen und konnte zeigen, wie unglaublich schnell dieser schmilzt. Vermutlich gehören wir zu der letzten Generation, die die alpinen Gletscher noch erleben kann. Nach dem erfolgreichen Ausweichen aller Gletscherspaltem ging es bis zu unserer Hütte dann nur noch bergab. Vorort gab es eine kleine Kapelle, die wir für eine Andacht nutzten. Unser geplanter Klettersteig für den Nachmittag musste wegen Regen leider ausfallen. Ein sehr guter Trost war allerdings, dass das warme Duschwasser auf dieser touristischen Hütte ein echter Schnapper war und wir alle vielleicht etwas länger als nötig die heiße Dusche genießen konnten.

Vor der Route des nächsten Tages hatten wir alle sehr großen Respekt, da er mit 13 km und über 1.000 Höhenmetern der anstrengendste werden sollte. Durch die letzten Tage waren wir jedoch schon merkbar abgehärtet und die Aussicht war über die ganze Strecke hinweg atemberaubend schön. Mit Herr Wilhelms zügigen Schritten an der Front und Herr Korecks motivierenden Sprüchen im Rücken bewältigten wir alle diesen längsten Anstieg, ganz nach dem Motto: „Geteiltes Leid ist halbes Leid“. Der Abstieg auf der anderen Seite der Bergkette war allerdings deutlich haariger. Gesichert mit unserem Klettergurt seilten wir uns ein steilen Schneefeld hinab ab und kletterten über zahlreiche Felsen. Immer gut im Blick hatten wir dabei unsere letzte Hütte, welche noch über zwei Stunden entfernt lag. Unterwegs rasteten wir an einem kleinen Bergsee, bei dem wir eine Andacht hielten und daraufhin in das kalte Wasser sprangen. Als wir nach acht Stunden der Wanderung endlich erschöpft an der Hütte ankamen, waren wir uns dennoch einig, dass dieser Tag überraschender Weise der beste gewesen war.

Am letzten Morgen standen einige von uns bereits um fünf Uhr auf, um den Sonnenaufgang in den Bergen zu beobachten, welcher wirklich schön war. Zwei Stunden später brachen wir alle zu einem letzten Klettersteig vor unserer Wanderung auf. Bei dieser sollte es dann nur noch 1400 Höhenmeter bergab ins Tal gehen, was sich bald jedoch als falsches Versprechen herausstellte (Danke Herr Wilhelm). Auf unserem nun wirklich letztem erklommenen Berg feierten wir eine letzte Andacht und genossen noch einmal das Panorama. Leider wohl etwas zu lange, denn daraufhin hatten wir einigen Zeitstress, um den Bus noch rechtzeitig zu erreichen. Hier war viel Durchhaltevermögen gefragt, denn gewisse Blasen, Knie und die Erschöpfung machten sich nun eindeutig bemerkbar. Gerade noch rechtzeitig erreichten wir das Tal und etwas turbulent mit der deutschen Bahn einige Stunden später auch das vertraute Heidelberg.

Die Hüttenwanderung war für jeden von uns eine Herausforderung, doch gemeinsam und dank unserer erfahrenen Lehrer Herr Koreck und Herr Wilhelm, auf die man sich in jeder Minute verlassen konnte, wurde die Exkursion zu einer epischen Erfahrung, die immer in schöner Erinnerung bleiben wird.

 

Text und Fotos: Sophia Roscher (KS1)