Fünf Tage lang, vom 13.-17.7. fuhren wir mit Herrn Rickert und Herrn Zehender mit wenig Gepäck und viel guter Laune von Kirche zu Kirche.
Möckmühl; diese bescheidene Kleinstadt sollte nach einer nicht unbedingt langweiligen Zugfahrt (14 Räder in einer Regionalbahn mit 4 defekten Türen ;) unser Ausgangspunkt für die diesjährigen Einkehrtage sein. Viele von uns waren neugierig und aufgeregt, vielleicht auch etwas skeptisch, was uns die kommenden Tage mitten in der Pampa mit dem angekündigten Singen und den Kirchenbesuchen erwarten würde. Schon nach wenigen hundert Metern erreichten wir unseren ersten Halt, eine recht moderne Kirche, in der wir nach anfangs noch verhaltenem Singen und einer wirklich mitreißenden Andacht (sowohl für Gläubige als auch Atheisten) die Flamme für unseren Gruppengeist entzündeten. Unser nächstes Highlight war am Nachmittag eine von unseren Lehrern hochgelobte Metzgerei (natürlich nicht zu vergessen die kleine Bäckerei gegenüber), bei der wir uns für unser spätes, dafür umso reichhaltigeres Mittagessen eindeckten. Das Essen war ein Segen, denn die Stimmung war zu dieser Zeit am Tiefpunkt der gesamten Woche angelangt. Etwas ausgehungert sowie in Teilen von der Sonne sowie der Strecke und den Anstiegen ermüdet, glich unser Picknick einem Festmahl. Frühabends gelangten wir, nachdem wir das den Musikern nur allzu bekannte Weikersheim durchquert hatten, an einen wunderschön gelegenen Campingplatz. Nachdem wir die Zelte aufgebaut hatten, aßen wir gemeinsam zu Abend, hielten eine Abendandacht, flickten den ersten Reifen und spielten dann bis spät noch Werwolf.
Der Tagesablauf war die folgenden Tage immer ähnlich. Nach einem Frühstück gegen 8:30 Uhr und einer morgendlichen Andacht schwangen wir uns auf die Räder, machten mittags einen Stopp zum Essen und für die Mittagsandacht, fuhren dann am Nachmittag weiter und kamen abends an unserem Zielort an, wo wir zu Abend aßen, eine weitere Andacht abhielten und dann bis spät in die Nacht Karten spielten und uns angeregt unterhielten. Der Großteil unserer Mahlzeiten bestand aus einem Picknick, welches wir alle zusammen von unserem begrenzten Budget eingekauft und dann gemeinsam verspeist haben.
Am Dienstag hatten wir die mit Abstand kürzeste Strecke der insgesamt 270 Kilometer. Mittags kamen wir in einer einzigartigen Kapelle zur Ruhe, die direkt am Wasser in den Fels gebaut war. Wir sangen noch lange Zeit zwischen den Felsen über das Wasser hinaus und genossen diesen Moment mit allen Sinnen. Der Moment des Tages war eindeutig ein plötzliches Gewitter, das uns SchülerInnen plötzlich und heftig am Abend in unseren Zelten erwischte und nicht nur unsere Zelte auf die Wasserdichte sondern auch unsere Nerven prüfte. Nach dem wir diesen Schockmoment überstanden hatten, gingen wir gemeinsam Essen beim Griechen und schauten dort auch Teile des WM-Halbfinals. Anschließend unterhielten sich einige aus der Gruppe, darunter auch unsere Lehrer Herr Zehender und Herr Rickert, über den Glauben und weitere große Lebensfragen. So entstand ein wirklich tiefsinniger Dialog in Ruhe und Akzeptanz zwischen Katholiken, Protestanten, Atheisten und anderen Glaubensrichtungen.
Am Mittwoch fuhren wir weiter durch die wunderschöne Landschaft, in der sich Wälder, Felder, Flüsse und Streuobstwiesen abwechselten. Mittwochs machten wir Rast direkt an der Jagst, in der sich einige auch direkt noch abkühlten. Anschließend staunten wir über die prächtige Erscheinung des Klosters Schöntal, in dem wir kräftig sangen und einer Andacht lauschten.
Auf den Gong von Mittwoch zu Donnerstag feierten wir den Geburtstag einer Schülerin, für die wir spontan einen Kuchen gekauft hatten. Nach einer wie immer recht kurzen Nacht fuhren wir weiter, diesmal in Richtung Neckartal. Auch an diesem Tag erlebten wir einen kurzen Schockmoment, als ein Mitglied unserer Gruppe kurzzeitig verloren ging. Glücklicherweise konnte sie auch ohne ihr Handy wiedergefunden werde. Abends erreichten wir einen Zeltplatz direkt am Neckar, wo wir SchülerInnen des Hölderlin-Gymnasiums trafen. Nachmittags spielten wir zusammen Volleyball, abends spielten wir dann wieder in unserer Gruppe Werwolf und Impostor, akustisch begleitet von einem kleinen Sommergewitter.
Am Freitag stand schließlich schon unser letzter Tag an. Durch das Neckartal näherten wir uns nach und nach bekanntem Gebiet. Wir spielten unsere letzten Runden „Wer bin ich“ auf dem Fahrrad, hielten unsere letzte Andacht und erreichten dann nachmittags zwar sichtlich erschöpft, aber geistig gestärkt, stolz und zufrieden unsere Heimatstadt Heidelberg.
Nach dieser Woche ist unsere anfängliche Skepsis im Nu verflogen. Die Gemeinschaft gleich wie die Momente in Stille, das Lachen und Beten, Singen und Spielen, Radeln und Flicken und noch so viele weitere Momente werden wir für immer in unseren Herzen tragen.
Vielen Dank an die Schule, an Herr Rickert und Herr Zehender und nicht zuletzt an uns als Gruppe, dass wir die Einkehrtage in vollen Zügen genießen konnten!
Text und Fotos: Kenji Kalverkamp (KS1)



