Am 18. März 2026 konnten die Klassen 10b und 10d eine Lesung der Autorin und Übersetzerin Barbara Imgrund bei uns in der Schule erleben. Dabei stellte sie ihr im letzten Jahr neu erschienenes Buch „Der Wurm – eine kleine Geschichte“ vor.
Die Protagonistin der Geschichte ist Martha, die als alte Frau auf den abgeschiedenen, verlassenen Bauernhof in den Bergen, auf dem sie aufgewachsen ist, zurückkehrt, um dort zu sterben. Aufgrund eines Kindheitstraumas ist sie stumm. Auf den Bauernhof getrieben hat sie die Rückkehr des titelgebenden „Wurms“, der wieder in die Köpfe der Menschen kriecht. Der „Wurm“, das ist der Nationalsozialismus, bzw. der Faschismus im Allgemeinen, der in Marthas Kindheit, die parallel zur Handlung in der Gegenwart geschildert wird, an der Macht war und ihr Leben zerstört hat.
Obwohl sie immer gehofft hatte, dass genügend Menschen etwas aus der Geschichte gelernt hatten, ist sie nun von den neuen Entwicklungen enttäuscht und beschließt, aus dem Leben zu scheiden.
Mit der „Rückkehr“ dieses Wurms bezieht sich Barbara Imgrund auf das Erstarken von rechtsextremistischen Parteien wie der AfD in ganz Europa, die mit falschen Versprechungen, nationalistischem Gebaren und Hetze gegen Minderheiten auf Wählerfang gehen. Tatsächlich sind die in diesem Buch angesprochenen Themen also alles andere als klein.
Barbara Imgrund hat uns einige Stellen aus ihrem Buch vorgelesen, was sehr eindrücklich, spannend und lebendig war. Durch die sehr bildreiche Sprache kann man z.B. bei der Beschreibung der Stube in Marthas Elternhaus die düstere Stimmung und Resignation Marthas sehr gut nachempfinden: „Hier atmet alles Moder, Mühsal und vergangenes Leben“
Auch die Schilderung der dramatischen und traumatischen Ereignisse in Marthas Kindheit ist so packend geschrieben, dass man die Welt um sich herum vollkommen vergisst und vollkommen gefesselt der sich anbahnenden Tragödie folgt.
Anschließend hatten wir Gelegenheit, Barbara Imgrund Fragen zu stellen, wodurch wir einen interessanten Einblick in ihre Arbeit als Autorin, ihre Inspiration und die Art, auf die sie ihre Bücher schreibt, bekamen. Ich fand es sehr interessant, ein Buch nicht nur zu lesen, sondern auch etwas darüber zu erfahren, wie es entstanden ist.
Die Veranstaltung war insgesamt sowohl eine bereichernde als auch eine durch die traurige Aktualität des Buches nachdenklich stimmende Erfahrung.
Vielen Dank an Herrn Schweizer und Herrn Ohl für die Organisation der Lesung!
Text: Jakob Schächtelin (10b)
Fotos: Gert Schweizer


