Dieser Morgen im April war eigentlich wie viele gewesen. Aber an diesem ging Konrad Gräter ausnahmsweise einen anderen Weg durch die Weinberge nur wenige Minuten von seinem Elternhaus in Schriesheim (Rhein-Neckar-Kreis) entfernt. „Da saß ein Amselmännchen im Gebüsch und hat gesungen“, erzählt er im SWR-Interview. „Im Hintergrund wurde die Stadt Schriesheim von der Sonne angeleuchtet.“ Er kniete sich hin und drückte ein paar Mal ab.
Für genau diesen Schuss hat Konrad Gräter jetzt am Natural History Museum in London die Auszeichnung des „Wildlife Photographer of the Year“ erhalten, in der Kategorie Nachwuchsfotografen im Alter von 15 bis 17 Jahren.
Weltweit renommierter Wettbewerb für Tier- und Naturfotos
Der „Wildlife Photographer of the Year Award“ wurde 1965 von der BBC ins Leben gerufen. Seit 1984 prämiert das Londoner Natural History Museum die herausragendsten Tier- und Naturfotos.
Die höchste Auszeichnung im Wettbewerb erhielt eine Schwarz-Weiß-Aufnahme des Italieners Federico Veronesi, auf der eine Elefantenkuh ihr totes Kalb in Namibia trägt. Der 19-Jährige Berliner Alexis Tinker-Tsavalas mit seiner Insekten-Makroaufnahme war der zweite deutsche Gewinner dieses Jahr.
Amselbild heißt „Birdsong Painted in Light“
Dass er diese Auszeichnung bekommt, erfuhr Gräter bereits im Frühjahr. „Ich habe E-Mails gelesen und bin sofort aufgesprungen und habe einen kurzen Schrei abgelassen“, sagt der 17-Jährige. Er erzählte es sofort seiner Mutter. Er sei total überwältigt gewesen. Aber er musste es ein halbes Jahr für sich behalten.
Bei der Preisverleihung in London am 13. Oktober durfte Konrad Gräter eine kleine Rede halten. „Ich war noch nie so aufgeregt in meinem ganzen Leben“, erzählt der 17-jährige. „Ich kann das alles noch nicht so fassen.“
Konrad Gräter ist fasziniert von heimischer Tierwelt
Der Nachwuchsfotograf aus Schriesheim möchte zwar Bilder auf der ganzen Welt von Elefanten, Giraffen und Nashörnern machen, aber ihn fasziniert besonders die Vogel- und Tierwelt direkt vor der Haustür. „Bei mir zu Hause gibt es noch genug zu sehen. Ich würde gerne verschiedene Eulen besser zu Gesicht bekommen“, so Gräter.
Birding, also Vögel beobachten, ist neben der Fotografie sein leidenschaftliches Hobby. Das war mit ein Auslöser für die Naturfotografie, weil er so die Vögel zu Hause bestimmen und festhalten konnte, erzählt der Schüler. Er betont, dass er unterwegs besonders die Ruhe liebe. Gräter möchte mit seinen Bildern der Natur, die so sensibel ist, Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit verschaffen.
Faszination für Natur schon als Kleinkind
Seit rund sechs Jahren hat der Schüler eine „Knipskamera“ und hält seitdem immer alles fest – „Autos oder die Berge im Urlaub mit den Großeltern“. Die Faszination für die Natur hatte er laut seinen Eltern schon als Kleinkind. Das teure Fotoequipment hat sich der 17-Jährige zusammengespart vom Konfirmationsgeld und den Einnahmen aus dem Verkauf von Kalendern mit seinen Fotos.
Viele Nachrichten während der Preisverleihung erhalten
„Letztes Jahr durfte ich den Abiball der Schule fotografieren“, erzählt er. Und auf dem Schulhof werde er manchmal gefragt, ob er Fotos von seinen Mitschülerinnen und Mitschülern machen kann. Gräter bekam auch viele Nachrichten, als die Preisverleihung live aus London auf YouTube übertragen wurde.
Nach seinem Abitur 2027 plant der junge Mann ein Freiwilliges Jahr, in dem er „hoffentlich viel fotografieren kann“. Danach möchte der Schriesheimer Biologie studieren und sich professionell der Naturfotografie widmen.
Ausstellung mit seinen Bildern in Dossenheim
Das vom Natural History Museum ausgezeichnete Amselbild „Birdsong Painted in Light“ und viele weitere zeigt Konrad Gräter in einer Ausstellung am 31. Oktober und 1. November im Heimatmuseum in Dossenheim (Rhein-Neckar-Kreis).
aus: https://www.tagesschau.de/inland/regional/badenwuerttemberg/swr-konrad-graeter-gewinnt-mit-singender-amsel-renommierten-fotopreis-in-london-100.html
Text: Laura Uzupyte
Foto: Konrad Gräter (KS2)

